Interview mit Peter Lankes, CEO der IVA Schmetz GmbH

Auf dem HärtereiKongress im Oktober soll Ihr neues Produkt „Digital Service“ vorgestellt werden. Was hat es damit auf sich?

Unser Ziel war es unseren Service effizienter und intelligenter zu machen. Das ist uns mit unserem neuen Service Produkt „Digital Service“ gelungen. Mit Hilfe von Machine Learning ist es uns möglich, den Zustand einer Anlage nicht nur zu überwachen und zu beurteilen, sondern auch potenziellen Wartungsbedarf vorherzusagen – Predictive Maintenance also. 

An unserem Dortmunder Standort haben wir ein Digital Diagnostic Center eingerichtet, von wo aus wir unsere Öfen in aller Welt monitoren. Sobald unsere intelligenten Algorithmen des Digital Diagnostic Center Unregelmäßigkeiten aufdecken, wird das Service Team benachrichtigt und setzt sich mit dem Kunden proaktiv in Verbindung.

Unsere Experten im Digital Diagnostic Center stehen außerdem jederzeit unseren Servicetechnikern zur Seite, falls diese während eines Einsatzes zusätzliche Unterstützung benötigen. Die Kommunikation wird mit Hilfe einer Mixed Reality Brille über einen Live-Video-Chat verbessert. Man kann sich das vorstellen, als würde der Experte dem Techniker direkt über die Schulter schauen. Wir nennen das Remote Assistance.

Insgesamt ist der Digital Service für uns und unsere Branche ein entscheidender Schritt in Richtung Industrie 4.0. 


Was glauben Sie, welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 auf die Härtereibranche?

Ich bin überzeugt, dass es ein Game Changer für die gesamte Industrie wird. Welche Bedeutung dem auch von anderen Seiten beigemessen wird, kann man schon daran erkennen, dass nahezu alle Unternehmen egal welcher Branche an ähnlichen Lösungen arbeiten. In den letzten Jahren haben sich auch verschiedene Industrieofenhersteller herangetastet, aber mit dem Digital Service ist uns jetzt der Durchbruch gelungen. Den Unterschied macht hierbei ganz klar die künstliche Intelligenz, auf die wir anstelle von fixen Grenzwerten setzen.  


Und wie profitiert der Kunde davon?

Plötzliche Ausfälle und ungeplante Stillstandzeiten, die jeden Produktionsbetrieb viel Geld kosten, gehören mit Predictive Maintenance der Vergangenheit an. Wenn ich früh genug über eine potentielle Beeinträchtigung Bescheid weiß, kann ich entsprechende Vorkehrungen treffen: benötigte Ersatzteile bestellen, den Austausch auf einen günstigen Zeitpunkt terminieren, usw., sodass die Stillstandzeit letztendlich minimal ist. Und das ohne Komponenten präventiv zu früh auszutauschen, sodass die Verwendung von Ressourcen nachhaltig und kosteneffizient geschieht. Dabei ist die Transparenz, die wir durch unseren Digital Service schaffen, der Schlüsselfaktor.

Kombiniert man Predictive Maintenance nun mit Remote Assistance steigern wir die Effizienz weiter. Bei einer Wartung spart der Servicetechniker durch die Unterstützung aus dem Digital Diagnostic Center wertvolle Zeit und die Anlage steht dem Kunden schneller wieder zur Verfügung.

 

Ist dieser Service auch für Altanlagen erhältlich, oder wird es ihn nur für Neuanlagen geben?

Unsere Neuanlagen werden zukünftig ab Werk für den Einsatz des Digital Service vorbreitet sein, aber selbstverständlich werden wir auch ältere Anlagen unserer Kunden unterstützen. Um den Digital Service auch in Altanlagen nutzen zu können, ist eine Nachrüstung des Ofens mit entsprechender Sensorik nötig. Bei besonders alten Öfen müssen wir gegebenenfalls nach einer individuellen Lösung suchen, aber ich bin sicher, wir können den Digital Service jedem interessierten Kunden zugänglich machen. Diese Umrüstung ist bei unseren neuen Digital Service Verträgen übrigens inklusive.